von Schimun Krausz

Das 2017er Meisterwerk “The Legend of Zelda: Breath of the Wild” gilt zu Recht als eines der besten Videospiele überhaupt. Vor allem, weil die grossartige Open World im Gegensatz zu denen vieler vergleichbarer Titel wirklich komplett offen ist und nicht erst durch die fortschreitende Handlung zugänglich wird. Der Nachteil: Die Story musste dafür in den Hintergrund gerückt werden und wird praktisch ausschliesslich in Rückblenden erzählt.

Darin lernst du Figuren kennen und sogar ein bisschen mögen, die im eigentlichen Game längst unter der Erde liegen – bizli Tim-Burton-Cartoon-Goth-Appeal, eh, aber halt auch bizli sad. Der Nachfolger zum Hack’n’Slash-Hybriden “Hyrule Warriors” (erschien 2014 für die Wii U, 2016 aufgemotzt für den 3DS und 2018 beefed-up to the max für die Switch), “Age of Calamity”, spielt 100 Jahre vor “Breath of the Wild” und lässt dich nun dessen Backstory erleben.

Massenvernichtungswaffen

Das bedeutet: Die vier Champions – Daruk von den Goronen, Mipha von den Zora, Revali von den Rito und Urbosa von den Gerudo – sind am Leben und haben Moves drauf, die selbst den stets wutschreienden Kratos verstummen lassen würden. Und weil das Quartett 100 Jahre vor BotW auserwählt wurde, die Divine Beasts genannten Mega-Kriegsmaschinen zu lenken, um damit Calamity Ganon zu pulverisieren, klemmst du dich in speziellen Missionen hinter deren Steuer und plättest damit Monsterhorden so schnell wie die Toten-Armee in “The Lord of the Rings”.

Die meiste Zeit verbringst du aber zu Fuss und pflügst mit besagten Champions sowie Franchise-Held Link, Reihen-Namensgeberin Zelda, deren rechter Hand Impa und weiteren aus BotW bekannten Figuren (darfst dich auf witzige Überraschungen freuen, darum keine Spoiler hier) durch Hunderte Gegner pro Haupt- und Nebenmission. Wie schon im Quasi-Vorgänger, der ebenfalls von Omega Force entwickelt wurde, die für die “Dynasty Warriors” bekannt sind.

Eintöniges Suchtpotenzial

Dafür hast du eine leichte, eine starke sowie eine Spezial-Attacke zur Verfügung – that’s it. Diese lassen sich aber beinahe beliebig zu flashy Kombos verketten. Dieses Prinzip und in die grundverschiedenen Kampfstile der Figuren machen einen Grossteil der Motivation von “Age of Calamity” aus – egal, wie taktisch oder wild du auf die Buttons hämmerst, das Ergebnis ist fast immer spektakulär inszeniert und wunderbar todbringend.

Allerdings sieht das zweite “Hyrule Warriors”-Game nur dann gut aus, wenn du nicht zu genau hinschaust; die im Vergleich mit dem sehr hübschen BotW zurückgeschraubte Optik ist der schieren Masse an gleichzeitig metzelnden Figuren geschuldet und trotzdem stottert die Switch bei gar intensiven Szenen. Neben der Grafik hinkt auch die Abwechslung im Spielablauf: Die Fights laufen fast immer gleich ab und du trittst bis auf einige wenige Fälle stets gegen dieselben Monster an, die du bereits in BotW gefühlt zu Tausenden über die Schwertklinge hast springen lassen.

Und trotzdem hat der Gameplay-Loop aus Story-Missionen, optionalen Fights und dem Upgraden von Waffen und Figuren ein gehöriges Suchtpotenzial, weshalb dich “Hyrule Warriors: Age of Calamity” mehr fesseln wird, als die einzelnen Aspekte des Hack’n’Slasher zunächst vermuten lassen.

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